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Sensationeller Kurswechsel im Kennel Club PDF  | Drucken |

ImageAnfang Oktober gab "The Kennel Club", die wichtigste Rassehundeorganisation der Welt, einen sensationellen Kurswechsel bekannt. Mit einem "breed health plan" sollen ab sofort die Weichen in der Rassehundezucht auf Gesundheit und Wohlergehen der Hunde umgestellt werden.

So räumt die Geschäftsführerin des Kennel Clubs, Caroline Kisko, ein: "Wir haben die allgemeine öffentliche Stimmung wahrgenommen und festgestellt, dass hier mehr getan werden muss."
Der  "breed health plan" sieht u.a. ausdrücklich vor, dass in Zukunft keine Merkmale mehr gezüchtet werden dürfen, die den Hund beim Sehen, Laufen oder freiem Atmen behindern können. Ebenso wird der Inzucht/Champion-/Linienzucht der Kampf angesagt.

Diese Wende hat bahnbrechende Bedeutung. Wurden doch von "The Kennel Club" wie auch vom VDH und den meisten anderen Züchterorganisationen die gesundheitlichen Probleme in der Rassehundezucht hartnäckig geleugnet oder verniedlicht und nur allzu selten praktische Maßnahmen gegen die ärgsten Auswüchse der Tierquälerei durch die Zucht ergriffen.

Der britische Kennel Club ist immerhin die bedeutenste und zugleich älteste Organisation um den Hund weltweit. Er verantwortet federführend die Standards von weltweit nicht weniger als 209 Hunderassen. Das ist gut die Hälfte aller Rassestandards der Welt. Er organisiert und verantwortet Crufts die mit Abstand grösste Hundeshow der Welt, das Mekka der Champion-Zucht.

Zu dem neuen Programm des Kennel Club im einzelnen:

Wesentliche Ziele des "breed health plan" sind:

  • Es dürfen keine Merkmale gezüchtet werden, die den Hund beim Sehen, Laufen oder freiem Atmen behindern können
  • die genetische Vielfalt jeder Rasse soll hergestellt und erweitert werden
  • glückliche, langlebige und gesunde Hunde sollen das Ergebnis einer jeden Zucht und bei ausnahmslos jeder Rasse sein

Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele sind:

  • eine entsprechende Revision aller durch den Kennel Club verantworteten 209 Rassestandards bis Anfang 2009 (mit dem Pekinesen wurde bereits begonnen)
  • Nur die gesündesten Hunde sollen auf Ausstellungen Preise erhalten, die Zuchtrichter werden entsprechend ausgebildet und angewiesen
  • eine umfassende Analyse des gesundheitlichen und genetischen Zustandes jeder Rasse soll durchgeführt und veröffentlicht werden
  • eine Gendatenbank und ein "Canine Genetics Centre" sollen in Zusammenarbeit mit dem Animal Health Trust eingerichtet werden
  • Zuchtverpaarungen sollen auch nach den Ergebnissen von DNA-Test festgelegt werden und müssen die genetische Vielfalt sichern
  • Jeder angeschlossene Zuchtverband soll diese neue Ethik der Zucht übernehmen und anwenden (Kennel Club`s Code of Ethics).
  • Jeder Züchter soll eine Zulassung zur Zucht benötigen, die ihn zur Einhaltung der neuen Standards verpflichtet (Accredited Breeder Scheme).
  • Darüber hinaus wird der Staat aufgefordert, eine gesetzliche Regelung zu veranlassen, so dass Züchtern, die gegen die o.a. Standards verstossen, die Zuchterlaubnis und die Erlaubnis zum Verkauf von Welpen entzogen wird.

Bisher war der Kennel Club keineswegs durch besonderes Interesse an der Gesundheit der Hunde aufgefallen. Vielmehr wurden mehrfach Rassestandards den aktuellen Moden und züchterischen Übertreibungen angepasst denn umgekehrt. Allerdings gab es in letzter Zeit zunehmend Widerstand gegen diese die Interessen der Hunde mißachtenden Praktiken.

Erst im September hatte die größte britische Tierschutzorgansation, die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA ), Crufts, der weltweit größten und vom Kennel Club organisierten Hundeshow der Welt, eben wegen der Mißachtung des Tierschutzes durch die Zucht seine Unterstützung offiziell entzogen.

Eine wesentliche Rolle werden auch die besonders in den USA zu beobachtenden Veränderungen im Markt spielen. Angesichts dessen, dass immer mehr Rassehunde "kaputtgezüchtet" sind, erleben dort gezielt gezüchtete Mischlinge, sogenannte "Designer-Dogs", einen Boom.

Trotzdem, es ist allein schon ein Meilenstein, wenn jetzt der in der Zucht wichtigste Verband der Welt indirekt feststellt, dass bisher zuwenig für die Gesundheit der Hunde getan wurde, eine Wende dringend nötig sei und nun konsequent mit konkreten Maßnahmen (und nicht nur blumigen Bekundungen wie wir sie bei jedem Zuchtverein hören) gegensteuern will.

Es bleibt abzuwarten wie weit der Kennel Club tatsächlich diesen so begrüßenswerten Ansatz in die Praxis umsetzen will und kann.

Es muss nun auch dringend und drängend darauf hingearbeitet werden, dass der VDH und die ihm angeschlossenen Zuchtvereine sowie die Zuchtverbände ausserhalb des VDH diesem Beispiel folgen mögen.


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